Jesus Garcia Fraile folgt Manfred Schell. Der Vorsitzende der spanischen Lokomotivführergewerkschaft SEMAF wurde auf dem Kongress der Autonomen Lokomotivführer-Gewerkschaften (ALE) am 22. Mai 2010 in Barcelona mit 96,6 Prozent zum neuen Präsident der ALE gewählt. Er löste damit den bisherigen Präsident und Ehrenvorsitzenden der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) Manfred Schell ab, der dieses Amt seit der Gründung 1989 inne hatte. Schell ist nun Ehrenpräsident der ALE. Frailes Stellvertreter sind der GDL-Bundesvorsitzende Claus Weselsky und der Vorsitzende der polnischen Lokomotivführergewerkschaft ZZM Leszek Mietek.

Die ALE kämpfen für eine angemessene Bezahlung der Lokomotivführer in Europa im grenzüberschreitenden Verkehr. Sie fordern außerdem von der Politik eine für die Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) in Europa bindende Qualifizierungsverordnung für Lokomotivführer. Bisher gibt es für die Ausbildung keine Rechtsnormen. Einheitliche Regeln sind jedoch zwingende Voraussetzung zur Erhaltung einer hohen Qualität im sicherheitsrelevanten Eisenbahnverkehr. Dazu gehört auch die Schaffung einer europäischen Lenkzeitenverordnung, um nicht nur die fallenden Sozialstandards zu halten, sondern die Lokomotivführer vor Überlastung bei ungeregelter Fahrzeitlänge zu schützen. Es ist somit dringend notwendig, die Fahrzeit auf den Zügen vergleichbar der Lenkzeitenverordnung im Straßenverkehr gesetzlich zu normieren.

Die ALE verlangen von den Europäischen Bahn- und Infrastrukturunternehmen (CER) an den Verhandlungen in allen lokomotivführerrelevanten Angelegenheiten auf europäischer Ebene beteiligt zu werden. Dies ist zwingend erforderlich, um Lohn- und Sozialdumping in den EVU zu unterbinden.

Die ALE haben auf dem Kongress auch eine Resolution verabschiedet:
Die Delegierten verurteilten das Existenz gefährdende Geschäftsgebaren der europäischen Finanzwelt ebenso wie das unverantwortliche Vorgehen der meisten europäischen Mitgliedsstaaten, die ihren Bürgern Zwangsmaßnahmen mit unerträglichen finanziellen Lasten auferlegen. Diese Maßnahmen werden für die Menschen, die für ihr Lebensalter vorgesorgt haben, inflationsbedingt zu einer Katastrophe führen.
Die ALE fordern, dass jene, die die zusätzliche Staatsverschuldung verursacht haben, somit die Banken und Investoren, dafür gerade stehen müssen.

Die ALE sind ein gewerkschaftlicher Zusammenschluss von 16 europäischen Lokomotivführergewerkschaften mit rund 100 000 Mitgliedern. Sie vertreten die beruflichen, sozialen und materiellen Interessen ihrer Mitgliedsgewerkschaften auf europäischer Ebene.